HINWEISE

Warum ist Hygiene so wichtig?

Beim Tätowieren wird am menschlichen Körper gearbeitet und es wird damit eine große Verantwortung getragen. Der gesundheitliche Aspekt spielt dabei eine sehr große Rolle. Durch die Eingriffe am menschlichen Körper, die wir Tätowierer täglich vornehmen ist kompetentes, professionelles Arbeiten die Grundbedingung um Gefahren und unerwünschte „Neben- und Folgewirkungen“ auszuschließen und/oder zu minimieren.

Warum kann es zu Infektionen kommen?

Beim Tätowieren werden Farbpigmente in verschiedene Hautschichten mit Nadeln eingestochen. Notwendigerweise wird die Haut großflächig verletzt. Dadurch treten erhebliche Mengen Blutserum (Wundwasser), zum Teil auch Blut, aus der „Wunde“ aus. In diesen Flüssigkeiten können unvorhersehbar große Mengen an Krankheitserregern, insbesondere Viren, die für Erkrankungen wie Hepatitis (Gelbsucht) und HIV verantwortlich sind, enthalten sein. So kann bei mangelnder Hygiene eine Übertragung stattfinden.

Allgemeine Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionen

Um das Infektionsrisiko für Kunden und auch den Tätowierer so weit wie möglich herabzusetzen, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die die Übertragung von Krankheitserregern (=Infektionsrisiko) verhindern. Dies kann geschehen durch aseptisches (keimfreies) Arbeiten oder aseptische Bereiche, das heißt, man versucht den Keimeintrag in einem Bereich so gering wie möglich zu halten. Außerdem müssen aber Bereiche, Gegenstände, Hände, Arbeitsflächen usw., welche mit Erregern verunreinigt sind, regelmäßig desinfiziert oder so aufbereitet werden, daß von ihnen keine Infektionsgefahr mehr ausgeht (aseptische Maßnahmen & Sterilisation).

Infektionserreger

Als Erreger von Infektionen kommen folgende Mikroorganismen in Frage:

  1. Mikroorganismen, die eine klassische Infektion auslösen
  2. Mikroorganismen, die in der normalen Umgebungs- bzw. Haut- und Schleimhautflora zu finden sind und durch Tattoos in Körperbereiche eingebracht werden, in denen der Keim krankheitserregend wirkt
  3. Mikroorganismen, aus der Umgebung, die normalerweise nicht krankheitserregend sind die aber bei stark abwehrgeschwächten Menschen Infektionen auslösen können

Übertragungswege

  1. direkt = von Mensch zu Mensch
  2. indirekt = von Infektionsquelle (z.B. Instrumenten) zum Mensch

Übertragungsarten

  1. z.B. Kontakt- Schmierinfektion (berühren/einbringen)
  2. auf dem Luftweg (aerogene Infektion durch Tröpfchen bei: niesen, husten durch an Partikel gebundene Mikroorganismen (z.B. Hautschuppen)

Schritte der Säuberung

  1. Desinfektion = Abtöten von Mikroorganismen (nicht Bakteriensporen) durch chem. Stoffe. Durch eine Desinfektion wird nur erreicht, daß ein Gegenstand nicht mehr infizieren kann. Er ist dann frei von vegetativen Formen der Krankheitserreger, aber nicht frei von Bakteriensporen.
  2. Reinigung = Entzug des Nährbodens für Mikroorganismen durch mechanische Maßnahmen
  3. Sterilisation = Abtöten von aller Mikroorganismen sowie Inaktivierung von Viren, die sich in/an Gegenständen z.B. Instrumentarium befinden

Sterilisieren heißt: Einen Gegenstand oder eine Flüssigkeit von vermehrungsfähigen Mikroben freimachen; hierbei müssen nicht nur die vegetativen, sondern auch die Dauerformen der Keime abgetötet werden.

Sterilisationsverfahren

Aufgabe der Sterilisation ist die Abtötung bzw. irreversible Inaktivierung sämtlicher an und in einem Objekt vorhandener Mikroorganismen und Viren, insbeson­dere die Abtötung bakterieller Sporen. Ein Produkt gilt als steril, wenn von 1 Mil­lion gleicher sterilisierter Objekte nur 1 Objekt mit 1 Keim behaftet ist (Sterility Assurance Level = SAL 10-6).

Im Rahmen der Qualitätssicherung gehören zum gesamten Prozess der Auf­bereitung:

  • die qualifizierte Instrumentendesinfektion und -reinigung
  • die Prüfung des Instrumentariums auf Funktionstüchtigkeit
  • eine bedarfsgerechte Ver­packung des Sterilisiergutes als Rekontamininationsschutz
  • dessen Kennzeichnung zwecks Rückverfolgbarkeit der Produkte und Vorgänge
  • die ordnungsgemäße Sterilisation selbst und deren Kontrolle

Sterilisation mit feuchter Hitze

Standardverfahren stehen dem Anwender verschiedene Verfahren zur Verfügung, um die Keimi­naktivierung mit feuchter Hitze zu errei­chen. Das Gravitationsverfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass die in der Sterilisierkammer vorhandene Luft durch Einströmen von Sattdampf nach unten über ein Strömungsventil aus dem Sterildruckbehälter verdrängt wird. Das fraktionierte Strömungsverfah­ren ist ein Verfahren, bei dem die Luft durch mehrere Sattdampfstöße mit jeweils anschließender Druckentlastung aus der Sterilisierkammer entfernt wird. Darüber hinaus sind unterschiedliche Vakuumverfahren bekannt, z.B. das Vorvakuumverfahren, wobei nach mehrfachem Evakuieren der Sterilisierkammer bis zu einem absoluten Druck zwischen 70 bis 20 mbar gesättigter Dampf bis zum Erreichen des Arbeitsdrucks in die Kammer einströmt. Am weitesten verbreitet ist das fraktionierte Vorvakuumverfahren wobei die Sterilisierkammer mehrfach evakuiert wird. In der Regel wird 3mal bis zu einem Absolutdruck von 130 mbar der weniger evakuiert und zwar jeweils im Wechsel mit Dampfeinströmung auf einen Druck, der dem Atmosphärendruck entspricht. Nach dem Aufheizen wird bei 121°C die Temperatur 20 Minuten gehalten und bei 134°C über 5 Minuten, bevor nochmals evakuiert wird und eine Trocknungsphase sowie die Druckentlastung folgen.

Der gesamte Zyklus setzt sich aus 4 Phasen zusammen:

  • Ausgleichszeit
  • Aufheizzeit
  • Haltezeit
  • Trocknung und Druckentlastung.

Wie sollte ein guter Tätowierer arbeiten?

Vor Arbeitsbeginn muss der Tätowierer neue Nadeln in die Maschine einsetzen, Nadeln und Führungen müssen in einem sterilen Behälter (oder auch in Tüten) aufbewahrt sein. In jedem professionellen Studio steht ein Sterilisator oder ein Autoklav und wird auch benutzt. Im Zweifelsfall lässt Du ihn Dir zeigen. Die „sterilisierende Glasplatte“ gibt es nicht. Andere fadenscheinige Methoden weisen darauf hin, dass hier ein Pfuscher am Werk ist. Die verwendete Vaseline sollte mit einem Spatel aufgetragen werden. Selbstverständlich muss der Tätowierer selbst auch mit Einmalhandschuhen arbeiten.

Vorbereitung und tätowieren:

Vor Beginn der Arbeit sollte Deine Haut mit Seifenlösung großflächig gereinigt werden. Störende Haare sollten mit einem Einweg-Rasierer entfernt werden. Anschließend muss die Hautfläche mit einem Desinfektionsmittel (Alkohol) desinfiziert werden. Dazu werden Einmal-Papiertücher benutzt (Küchenpapier, Kleenex). Zum Reinigen der Nadeln während des Tätowierens ist im Ultraschall-Reiniger ein Einmal-Plastikbechers mit einem farblösenden Reinigungsmittel zu benutzen. Salben zur Versorgung der Haut können auch aus einem größeren Behälter entnommen werden, jedoch ausschließlich mit einem frischen Spatel.

Achtung!

Wer noch keine 18 Jahre alt ist, wird nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten behandelt. Scheu Dich nicht, dem Tätowierer Fragen in Bezug auf Hygiene zu stellen. Der Fachmann wird Deinen Fragen nicht ausweichen, sondern sie verständlich beantworten.